Mein Kampf

© Constanze Henning
© Constanze Henning


Dass die Juden selbst schuld seien am Antisemitismus – diese oft unbewusste Haltung ist gar nicht so selten, etwa wenn Menschenrechtsverletzungen und fragwürdige Methoden im Palästina-Konflikt „den Juden“ vorgeworfen werden.

In „Mein Kampf“ treibt George Tabori das auf die Spitze, indem er darlegt, dass „die Juden“ sogar am Holocaust selbst schuld seien. So hat Tabori zufolge Hitler sein Rhetorik-Training von einem Juden erhalten: „Vergiss Schlomo, den einen Juden! Sprich nur von den Juden – und du wirst ein König sein, der über eine Decke von Gebeinen schreitet!“

Derart belehrt Schlomo Herzl, mit Bibeln und Pornographie handelnder Bewohner eines Männerasyls den späteren GröFaZ. Wir befinden uns in Wien um das Jahr 1910. Herzl befindet sich gerade in einer theologischen Auseinandersetzung mit dem Koch Lobkowitz, als ein unsicher wirkender junger Mann das Wohnheim betritt, mit struppigem Schnauzbart, wirrer „Künstlerfrisur“, unter dem Arm schlechte Aquarelle. Plus Sprüchen wie „Jude, du ewiger Blutegel am gesunden Volkskörper!“ Schlomo verlor bei einem Pogrom seinen Gott, aber nicht seine Liebesfähigkeit. Mit der Inbrunst einer jiddischen Mamme kümmert er sich um den Neuen, stutzt dessen Bart, scheitelt ihm akkurat das Haar, lehrt ihn erfolgreich zackiges Auftreten und markante Sprache. Auch versucht er, dessen krudem Gedankengut Vernunft entgegenzusetzen – ohne Erfolg.
Herzl schreibt unter dem Titel „Mein Kampf“ an seinen Memoiren: „Um das Böse aus meinem Herzen zu vertreiben.“ Hitler vermutet in diesem Manuskript das „Gedächtnis des Judentums“, das er ausrotten will, um die Welt zu retten. Schlomo überlässt ihm zwar nicht das Buch, jedoch den Titel …

Taboris Stück ist teils tief- und hintersinnig, teils verspielt-chaplinesk, teils zotig-derb. Wie Herzl im jungen Adolf Hitler irgendwo den „Menschenbruder“ sucht, so sucht Tabori in der „Heiterkeit der Verzweiflung“einen Überlebensweg: „Opfer und Täter sind eine traumatische Einheit. Es ist der Fluch, den Feind zu verstehen …“


************************

19 Uhr Einführungsvortrag

20 Uhr Veranstaltungsbeginn
 



 


Veranstalter:

Kulturbüro Offenburg
Weingartenstr. 34
77654 Offenburg
kulturbuero@offenburg.de



Veranstaltungsort:
Oberrheinhalle, Messeplatz
Termin:
08.03.2019, 20:00 Uhr

Subinhalte